„Wir nehmen nur von den Salaf!“ … Wirklich?

Seit einiger Zeit entwickelt sich immer mehr ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der Aussagen der Salaf (رحمهم الله). Wie schon öfter erwähnt, sehen wir das als positive Entwicklung.

Wir haben aber auch darauf hingewiesen, dass heute nicht so leicht festzustellen ist, was die Salaf in den verschiedenen Angelegenheiten tatsächlich sagten – auch wenn man heute, z.B. im Vergleich mit der Situation vor zehn Jahren und mehr, einen viel leichteren Zugang zu den frühen Quellen und Aussagen hat.

Sicher muss jeder von uns unter diesen Umständen einen gewissen Prozess durchlaufen, um mehr Klarheit darüber zu bekommen.

Heute behaupten zudem sehr viele Leute, NUR dem tatsächlichen Manhaj der Salaf zu folgen und NUR zu ihrer Lehre zurückzukehren. In Wirklichkeit sieht die Sache aber oft ganz anders aus, als sie dargestellt wird.

Meistens sind die Aussagen der Salaf nur der Aufhänger, um andere Meinungen zu transportieren. Aber die Leute glauben – oder wollen gerne glauben -, dass es sich NUR um die Lehre der Salaf handelt, denn es steht ja z.B. der Name von Ahmad ibnu Hanbal in der Überschrift eines Unterrichts usw.

Der Weg der Salaf ist einer – Klare Unterschiede in ‛Aqīdah und Methode widersprechen dem

Man muss eigentlich nur kurz über eine einzige Erscheinung der Realität nachdenken, um zu sehen, dass die Sache nicht so sein kann, wie all diese Strömungen behaupten. Sie alle geben nämlich vor, der einen Lehre der Salaf zu folgen, gehen aber ganz unterschiedliche Wege und feinden sich teilweise sogar an.

In den Büchern der Salaf wird gerade die Einigkeit im Manhaj (Methode, Weg) als Zeichen dafür erwähnt, dass sie alle zu einer ursprünglichen Lehre zurückkehrten. Wer hingegen nicht am selben Ursprung festhält, der unterscheidet sich zwangsläufig. Die folgende Aussage im Buch al-Ibānatu l-kubrā ist nur eines von vielen Beispielen:

وَذَلِكَ أَنَّ كُلَّ مَنْ خَالَفَ الْجَادَّةَ، وَعَدَلَ عَنِ الْمَحَجَّةِ، وَاعْتَمَدَ مِنْ دِينِهِ عَلَى مَا يَسْتَحْسِنُهُ فَيَرَاهُ، وَمِنْ مَذْهَبِهِ عَلَى مَا يَخْتَارُهُ وَيَهْوَاهُ عُدِمَ الِاتِّفَاقَ وَالِائْتِلَافَ … فَإِنَّكَ لَا تَكَادُ تَرَى رَجُلَيْنِ مُتَّفِقَيْنِ اجْتَمَعَا جَمِيعًا فِي الِاخْتِيَارِ وَالْإِرَادَةِ، حَتَّى يَخْتَارَ أَحَدُهُمَا مَا يَخْتَارُهُ الْآخَرُ، وَيُرْذِلَ مَا يُرْذِلُهُ إِلَّا مَنْ كَانَ عَلَى طَرِيقِ الِاتِّبَاعِ – وَاقْتَفَى الْأَثَرَ – وَالِانْقِيَادِ لِلْأَحْكَامِ الشَّرْعِيَّةِ، وَالطَّاعَةِ الدِّيَانِيَّةِ، فَإِنَّ أُولَئِكَ مِنْ عَيْنٍ وَاحِدَةٍ شَرِبُوا، فَعَلَيْهَا يَرِدُونَ، وَعَنْهَا يَصْدُرُونَ قَدْ وَافَقَ الْخَلَفُ الْغَابِرُ لِلسَّلَفِ الصَّادِرِ

Viele unterschiedliche Ausrichtungen behaupten, dem Manhaj der Salaf zu folgen

Es kann also niemals sein, dass all diese unterschiedlichen Wege heute die eine Lehre der Salaf vertreten. Trotzdem geben sie alle vor, denselben Texten zu folgen und sich an ihre Bedeutung und Aussage zu halten! In Wirklichkeit muss die Mehrheit davon dieser Lehre sogar widersprechen. Wie erklärt man sich sonst die unterschiedlichen Wege?

Wer das verstanden hat, den müsste es zur Vorsicht rufen. So jemand könnte nicht alles als „Manhaj der Salaf“ annehmen, nur weil jemand von den Salaf zitiert. Dessen sollte man sich also bewusst sein, wenn man jemandem zuhört, der z.B. eine Schrift der Salaf erklärt oder meint, NUR von den Salaf zu nehmen.

Oft ist es nämlich anders als behauptet wird. Nicht selten sind die Menschen, die solche Mutūn heute unterrichten, sich selbst nicht bewusst, dass sie vieles gar nicht von den Salaf nehmen. Wie es dazu kommt und was die Gründe dafür sind, darauf wollen wir in Zukunft weiter eingehen in sha Allah.

Erklärungen alter Texte stammen in der Regel nicht von den Salaf

Es wurde oben darauf hingewiesen, dass Erklärungen oder Anmerkungen zu den Mutūn [1] der Salaf im Allgemeinen nicht einfach als „Kalām der Salaf“ angesehen werden können.

Wie bereits erklärt wurde, hatten die Salaf nur einen Weg in der ‛Aqīdah vertreten. D.h. automatisch, wenn wir heute 20, 50 oder mehr verschiedene Wege sehen, die alle sagen: „Wir nehmen nur von den Salaf!“, dass so gut wie alle dieser Wege in Wirklichkeit den Salaf mehr oder weniger widersprechen müssen.

Natürlich heißt das bisher Gesagte nicht, dass deshalb jede Erklärung eines solchen Matn sicherlich und zur Gänze falsch ist. Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass die Erklärung dabei nicht von den Salaf stammt, wobei die Urheber dieser Erklärungen das jedoch meistens vorgeben. Das trifft grundsätzlich auf heutige, aber auch auf Erklärungen der späteren Jahrhunderte in der islamischen Geschichte zu.

Die Mutūn selbst kann man deshalb nicht verwerfen, das ist klar. Ebenso kann es gut sein, dass man Nützliches in diversen Erklärungen findet. Aber wenn man sich der hier angesprochenen Tatsache nicht bewusst ist und daraufhin alles annimmt, weil es ja angeblich der sichere Manhaj der Salaf ist, dann wird man im Allgemeinen ins Verderben laufen.

Das ist also ein wichtiger Punkt beim Umgang mit den Texten der Salaf und diversen Erklärungen (Schurūh, Einzahl: Scharh) dazu, den man nicht unterschätzen sollte. Deshalb wird hier auch auf dieses Thema eingegangen.

Ein arabisches Buch und eine Begebenheit, die das verdeutlicht

Eine Begebenheit im deutschsprachigen Raum, die im Folgenden allgemein wiedergegeben wird, zeigt sehr deutlich, wie schwer sich die meisten Menschen – auch im deutschsprachigen Raum – tun, Dinge zu unterscheiden:

„Vor einiger Zeit sagte mir ein Bruder, dass er mit der Übersetzung eines arabischen Buches begonnen hat. Der Bruder wollte es übersetzen, weil er sich sicher war, dass der (zeitgenössische) Autor nur Aussagen von den Salaf erwähnt und auch nur diese vertritt.

Ich hatte das Buch ganz gelesen und kannte deshalb den Inhalt. Das Buch hat etwa 500 Seiten, darin viele Zitate von den Salaf. Es geht um ein wichtiges ‛Aqīdah-Thema und aus dem Buch kann man sicherlich viel Nutzen ziehen.

Jedoch war es in Wirklichkeit nicht so, wie sich die Leute im deutschsprachigen Raum überall zu erzählen begannen und angenommen hatten, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Ein Großteil der Zitate des Buches ist nicht von den Salaf, vielleicht sogar die Hälfte oder ein Drittel. Jedenfalls wird zu einem großen Teil von Gelehrten um das 8. Jhdt. n.H. zitiert.
  • Es wird auch von heutigen Autoren zitiert. Das erste Buch (!), auf das darin überhaupt verwiesen wurde, hat den Titel „ar-Raddu l-athariyyu l-mufīd“. Der Autor dieses Buches ist sicher kein „atharī“ und so jemand schreibt auch sicher kein Buch, das „atharī“ ist, das also der Methode der Leute der Überlieferungen (Āthār, Ez. Athar) folgt. Es handelt sich dabei nämlich um Mahmūd ibn ‛Umar Abū ‛Umar, einen Palästinenser mit der Kunya Abu Q.

Vielen Menschen ist nicht klar, dass es sich um diese Person handelt, wobei dies natürlich sofort über das Internet herauszufinden ist, wenn man den Namen des Autors sucht. Auch dem Autor des hier besprochenen Buches war das nicht klar, weshalb er auf das Buch von Abu Q. gleich am Anfang verwies.

Außerdem wird in dem Buch auch von Leuten wie Ibnu Bāz zitiert, dem vormaligen Großmufti Saudi-Arabiens.

Ich fragte deshalb diesen Bruder, ob er sich über diese Dinge im Klaren ist und es zeigte sich, dass er davon überhaupt keine Kenntnis hatte. Er hatte nur wenige Seiten am Anfang des Buches gelesen.“

In unserer Zeit und Situation ist es allzu leicht möglich, dass so etwas passiert, auch wenn ein Bruder eine gute Absicht hatte und nichts Falsches vermutete.

Aber genau darin liegt das Problem, auf das hingewiesen werden muss. Wer solche Dinge erkennt, der ist auch verpflichtet dafür ein gewisses Bewusstsein zu generieren, soweit es ihm möglich ist.

Aus der hier erzählten Begebenheit ist also eindeutig zu sehen, dass dieses Buch sicher nicht nur den Kalām der Salaf wiedergibt.

Die meisten Menschen hinterfragen Behauptungen gar nicht oder kaum und die Gefahr hierin

Es geht hier aber gar nicht in erster Linie um dieses Buch oder den Autor. Denn das Buch hat sicher nützliche Inhalte, auch wenn – wie schon gezeigt wurde – hier und da einige Dinge angemerkt werden können. Und es geht auch nicht um den Bruder, der ohne Schlechtes zu beabsichtigen die Situation nicht richtig beurteilen konnte.

Vielmehr geht es um Folgendes:

  • darauf hinzuweisen, dass viele Menschen Dinge falsch einschätzen.
  • die Ursachen dafür besser zu verstehen.

Nur weil ein Buch viel Nützliches beinhaltet, ist es deshalb nicht „nur von den Salaf“. Ebenso bedeutet das nicht, dass man seinen Verstand ausschalten muss bei diesem Buch und nichts mehr hinterfragen sollte, weil es nützlich und angeblich „nur von den Salaf“ sein soll.

Es ist ein großes Problem, dass die Menschen heute – und umso mehr, wenn sie kein Arabisch verstehen – die aller meisten Dinge, die sie hören, einfach ungeprüft übernehmen. Im Vertrauen glauben sie einfach, was ihnen gesagt wird, ohne es zu hinterfragen.

Wie wir gesehen haben, kann das z.B. dazu führen, dass jemand ein Buch übersetzen will, dass er noch nicht gelesen hat. Warum? Wie sollte jemand auf diese Idee kommen … in einer Zeit, in der es so viel Fitnah gibt, so viele verschiedene Meinungen, die Menschen ständig ihre Meinungen wechseln müssen, weil sie immer wieder auf neue Inhalte kommen, von denen sie vorher noch nie etwas gehört hatten? Es ist schon zu einem gewissen Grad erschreckend.

Behauptungen, die direkt oder indirekt etwas über den Islam vermitteln, ungeprüft anzunehmen ist nicht der Weg der Salaf

Warum sollte jemand also einfach annehmen, dass etwas „nur von den Salaf“ ist, bloß weil es irgendjemand behauptet hat. Ist das die Art und Weise, wie wir Informationen über unseren Din suchen und annehmen sollen? Und entspricht es dem, was die Salaf selbst sagten?

Muslim überliefert im Vorwort seines Sahīh-Werkes, dass Muhammad ibnu Sīrīn sagte:

عَنْ مُحَمَّدِ بْنِ سِيرِينَ، قَالَ: «إِنَّ هَذَا الْعِلْمَ دِينٌ، فَانْظُرُوا عَمَّنْ تَأْخُذُونَ دِينَكُمْ»

„Wahrlich, dieses Wissen ist Dīn! Also seht (genau), von wem ihr euren Dīn nehmt.“

Wer nicht Arabisch kann, lässt sich meist noch leichter täuschen und bekennt sich zu Dingen, von denen er keine Ahnung hat

Wenn das oben Beschriebene jemandem geschehen kann, der eine gewisse Kenntnis der arabischen Sprache hat und eine gewisse Fähigkeit Text zu übersetzen, wie verhält es sich dann erst bei Leuten, die überhaupt kein Arabisch verstehen?

Genau deshalb sieht man an jeder Ecke im deutschsprachigen oder nicht-arabischen Raum Leute, die solche Bücher hochhalten und sie als Zeichen ihrer Stärke, als die eigenen Gelehrten und die eigene ‛Aqīdah präsentieren, z.B. in ihren Profilbildern usw. … wobei sie nicht Arabisch können, nicht mal eine Seite von diesem oder einem anderen Buch gelesen haben, dass sie hochhalten, sich aber trotzdem zu 100% dazu bekennen.

Noch merkwürdiger: Wie oft hat man die aller meisten Menschen mancher Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum genau das tun gesehen, wobei sie immer wieder ihre Meinungen und Vorbilder verändert hatten? Eines war jedoch – gemäß ihrer eigenen Sicht – immer gleich: Sie hatten immer Recht.

Nicht alles ist authentisch überliefert – Angeblicher Text von ‛Umar ibnu l-Khattāb رضي الله عنه

Nicht alles, was den Salaf zugeschrieben wird, ist authentisch überliefert. Nur weil etwas den Salaf zugeschrieben wird kann man also nicht davon ausgehen, dass diese Aussage auch sicher in dieser Form von ihnen stammt.

Auch das kann man wiederum an einem Buch sehen, dass deshalb nützlich ist, weil es viele Mutūn der Salaf zur islamischen ‛Aqīdah in einem Werk vereint. Auch dies also zweifelsohne eine nützliche Arbeit aus der man profitieren kann. Heißt dies jedoch, dass man alles ungeprüft übernehmen kann oder soll?

Die erste ‛Aqīdah, die in dem Werk erwähnt wird, soll von ‛Umar ibnu l-Khattāb (gest. 32 n.H. – رحمه الله ورضي الله عنه) stammen, ein kurzer Text über al-Qadar, also die Vorherbestimmung.

Zu finden ist dieser Text, soweit allgemein bekannt, nur in einem Buch von ‛Abdu r-Rahmān ibnu Mandah (gest. 470 n.H.). Der Autor des hier thematisierten Werkes selbst erklärt, dass er den kurzen Text nur dort gefunden hat.

Schließlich erwähnt der Autor, dass diese ‛Aqīdah durch einen feststehenden Isnād ihrem angeblichen Verfasser zugeschrieben werden könne, als er sagt:

وهي رسالة ثابة الإسناد إلى عمر رضي الله عنه

Dem wird jedoch von anderen ausdrücklich widersprochen. Sie meinen, dass dieses angebliche Schreiben sicher nicht dem zweiten Kalifen zugesprochen werden kann. Vielmehr hätte irgendjemand diesen Text ‛Umar fälschlicherweise zugeschrieben. Es handle sich also um eine Unwahrheit.

Dafür werden vor allem folgende Gründe genannt, die aus Sicht der Hadīth-Wissenschaft und anderer islamischer Wissenschaften durchaus schwerwiegend sind:

  1. Wenn diese Schrift wirklich thābitah wäre, also korrekt von ‛Umar رضي الله عنه überliefert wurde, dann ist es kaum vorstellbar, dass niemand von den frühen Gelehrten des Hadīth diese Schrift in seinem Buch überlieferte.
  2. Aus Sicht der Hadīth-Wissenschaft ist es ein Zeichen der Schwäche, wenn die Gelehrten niemals einen Text wie diesen erwähnten, aber gleichzeitig Teile davon von späteren Personen überlieferten.
    Hierbei sagt man: Wäre der Text tatsächlich von ‛Umar ibnu l-Khattāb, dann hätten die Gelehrten nicht einzelne Teile dieses Textes von Personen nach ‛Umar überliefert und die Aussage vom früheren Gelehrten – in dem Fall ‛Umar ibnu l-Khattāb – vernachlässigt.
  3. Der Isnād ist nicht feststehend, wie der Autor meinte, sondern es befindet sich darin jemand, der schwach ist bzw. sogar als Lügner bezeichnet wurde.
  4. Die Angelegenheit des Qadar, die Verwerfungen darüber und die Aussagen einiger Sekten dazu, waren zur Zeit von ‛Umar noch nicht in Erscheinung getreten. Vielmehr war es sein Sohn ‛Abdullāh ibnu ‛Umar رضي الله عنهما, welcher damit konfrontiert wurde, wie man im ersten Hadīth im Sahīh Muslim bekanntermaßen lesen kann.

Das sind also gewichtige Gründe, die dafür angegeben werden, dass dieser Text nicht von ‛Umar stammt, sondern entweder aus einem Fehler heraus oder durch eine Lüge ‛Umar zugeschrieben wurde. wallahu a‛lam.

Wiederum ist das Werk an sich deshalb wie gesagt nicht als Ganzes unbrauchbar. Sicherlich kann man aus den darin überlieferten ‛Aqā’id viel Nutzen ziehen – möge Allah dem Verfasser zum Besten verhelfen, āmīn.

Jedoch sieht man an diesem Beispiel auch, dass nicht alles automatisch den Salaf zugeschrieben werden kann, nur weil dies irgendwo so geschrieben steht.

Wenn solche Fragestellungen schon bei Büchern auftreten können, deren Verfasser lange Zeit mit den Aussagen der Salaf verbrachten, dann kann man sich wiederum denken, wie vorsichtig man bei irgendwelchen Leuten im deutschsprachigen bzw. nicht-arabischen Raum sein muss. Speziell wenn diese gerade erst vor einigen Jahren begannen, Arabisch zu lernen, oder Ähnliches.

Das obige Beispiel zeigte also, dass nicht jede einzelne Aussage automatisch und mit völliger Sicherheit als authentisch betrachtet werden kann.

Erklärungen und Anmerkungen heutiger Autoren sind an sich keine Aussagen der Salaf

Noch klarer ist die Tatsache, dass die Anmerkungen eines Autors in den Fußnoten sicherlich nicht Aussagen der Salaf sind – es sei denn, der Autor hat wirklich nur und ausschließlich Aussagen der Salaf zur Erklärung angeführt! In dem Moment wo er jedoch etwas von sich selbst sagt, ist es grundsätzlich mal seine Aussage, seine Erklärung, sein Verständnis und seine Interpretation.

Alte Aussagen können auch missverstanden werden

Abgesehen davon haben wir in einem früheren Beitrag bereits gesehen, dass man z.B. anhand einer Aussage von den Salaf denken kann, dass es zur damaligen Zeit schon intravenöse Injektionen gab, wobei diese – soweit bekannt – erst etwa ein Jahrtausend später erstmalig verwendet wurden. Eine Aussage kann also von den Salaf stammen, aber wenn man die Bedeutung eines einzigen Wortes missversteht, dann kann es schnell passieren, dass man völlig falsche Dinge daraus versteht und diese auch den Salaf zuschreibt.

Viele bekennen sich heute zu den Salaf ohne tatsächliches Verständnis

Es gibt sehr viele Leute im deutschsprachigen Raum und weltweit, die jetzt gerade so laut wie möglich „Salaf“ rufen, um einfach dabei zu sein. Sie tun Dinge dann, wenn sie von der Masse getan werden, häufig ohne Verständnis und ohne nachzuprüfen. Bei vielen Menschen ist das ein überdeutlicher Wesenszug.

Wenn solche Leute sich nun voll und ganz zu irgendwelchen Büchern bekennen, deren Inhalt sie eigentlich nicht kennen, sollte klar sein, dass sie eigentlich nicht wirklich wissen, was sie vertreten. Von den oben erwähnten Dingen haben solche Leute überhaupt keine Vorstellung.

Natürlich kann man diese Sache nicht verallgemeinern. Es gibt auch Geschwister, die sich zwar noch kein umfassendes Bild zu diesen Themen machen können, aber trotzdem mit Vernunft, Aufrichtigkeit und Zurückhaltung an die Dinge herangehen. Und genau darum geht es hier auch:

Das hier und weiter oben Erklärte sollte den aufrichtigen Menschen zur Vorsicht und Demut rufen … auch im Umgang mit dem Kalām der Salaf.

… wallāhu a‛lam … und Allah weiß es am besten.

 

Fußnoten __________

[1] Hinweis: Was heißt Matn bzw. Mutūn?

Matn/pl. Mutūn wird beim Umgang mit Büchern oder Texten im Sinne von „Text“ verwendet. Z.B. wird der Text eines Hadīth Matn genannt. Den zweiten Bestandteil eines Hadīth, die Überlieferungskette, nennt man Isnād bzw. Sanad.

Auch kurze Texte über islamische Themengebiete oder Wissenschaften werden Mutūn genannt. Von der Zeit der Salaf bis heute wurden zahlreiche Mutūn geschrieben, z.B. über die arabische Grammatik und sonstige Wissenschaften der arabischen Sprache.

Zu diesen Mutūn gehören auch die hier angesprochenen Kurztexte, welche von den Salaf in den ersten Jahrhunderten der isl. Zeitrechnung zur Erklärung der Glaubensgrundlagen (‛Aqīdah) verfasst wurden.

 

Erstmalig veröffentlicht 10/2020 im Telegram-Kanal “Tauhīd & Sunnah” (Link)