Erstmalig veröffentlicht 08/2020 im Telegram-Kanal “Tauhīd & Sunnah” (Link)

Tafsīr: Die zehn Tage von Dhu l-Hijjah und der Tag von ‛Arafah

  • عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ قَالَ: إِنَّ اللَّيَالِيَ الْعَشْرَ الَّتِي أَقْسَمَ اللهُ بِهَا، هِيَ لَيَالِي الْعَشْرِ الْأُوَلُ مِنْ ذِي الْحِجَّةِ
  • عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ: {وَلَيَالٍ عَشْرٍ}: عَشْرُ الْأَضْحَى

[Tafsīr at-Tabarī]

Ibnu Abī Hātim und at-Tabarī überliefern in ihren Tafsīr-Werken von Ibnu ‛Abbās رضي الله عنهما, dass die zehn Nächte, die im Qur’ān in Sūratu l-Fajr (89: 2) erwähnt wurden und bei denen Allah schwört, die ersten zehn Nächte von Dhu l-Hijjah sind.

Ebenso wird diese Bedeutung überliefert von: Masrūq (bei Ibnu Abī Hātim und at-Tabarī) und von Abdullāh ibnu z-Zubair رضي الله عنهما, ‛Ikrimah, Mujāhid, Qatādah, ad-Dahhāk und Ibnu Zaid رحمهم الله (bei at-Tabarī).

Außerdem überliefert at-Tabarī diesen Tafsīr von Jābir رضي الله عنه vom Propheten ﷺ.

Dies wird also häufig von den Salaf überliefert, auch wenn daneben noch anderes erwähnt wird.

Die 40 Tage von Mūsā عليه السلام

Zu dem obengenannten Vers von Sūratu l-Fajr (89: 2) wird eine weitere, nicht uninteressante Information im Tafsīr erwähnt, nämlich, dass es sich bei jenen zehn Nächten im Vers gleichzeitig um die zehn Nächte handelt, durch die Allah dem Propheten Mūsā عليه السلام die 30 Nächte auf 40 vervollständigte, wie es in der folgenden Āyah von Sūratu l-A‛rāf (7: 142) erwähnt ist:

وَوَاعَدْنَا مُوسَى ثَلَاثِينَ لَيْلَةً وَأَتْمَمْنَاهَا بِعَشْرٍ فَتَمَّ مِيقَاتُ رَبِّهِ أَرْبَعِينَ لَيْلَةً …

„Und Wir gaben Mūsā eine Verabredung auf dreißig Nächte und Wir vervollständigten sie mit (weiteren) zehn. So vervollständigte sich die festgesetzte Zahl seines Herrn auf vierzig Nächte. …“ [Sūratu l-A‛rāf 7: 142]

Dies wird z.B. bei Ibnu Abī Hātim von Ibnu ‛Abbās, Mujāhid, Masrūq und ‛Atā’ überliefert:

… ثنا عَطَاءٌ، قَالَ: كَانَ ابْنُ عَبَّاسٍ، يَقُولُ فِي قَوْلِ اللهِ: “{وَوَاعَدْنَا مُوسَى ثَلَاثِينَ لَيْلَةً وَأَتْمَمْنَاهَا بِعَشْرٍ} [الأعراف: 142] ، قَالَ: ذُو الْقَعْدَةِ وَعَشْر ذِي الْحِجَّةِ” وَرُوِيَ عَنْ مَسْرُوقٍ، وَمُجَاهِدٍ، وَعَطَاءٍ {وَأَتْمَمْنَاهَا بِعَشْرٍ} [الأعراف: 142] ، قَالُوا: عَشَرُ ذِي الْحِجَّةِ

Hier wird also erwähnt, dass es sich um die 30 Nächte von Dhu l-Qa‛dah und um die darauffolgenden ersten zehn Nächte von Dhu l-Hijjah handelt.

Diese Bedeutung überliefert auch at-Tabarī unter der genannten Āyah von Sūratu l-A‛rāf und ebenso bei der zuvor schon besprochenen Āyah 2 von Sūratu l-Fajr, wie folgt:

  • عَنْ مَسْرُوقٍ، {وَلَيَالٍ عَشْرٍ} [الفجر: 2] قَالَ: عَشْرُ ذِي الْحِجَّةِ، وَهِيَ الَّتِي وَعَدَ اللهُ مُوسَى صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ
  • عَنْ مُجَاهِدٍ، قَالَ: لَيْسَ عَمَلٌ فِي لَيَالٍ مِنْ لَيَالِي السَّنَةِ أَفْضَلَ مِنْهُ فِي لَيَالِي الْعَشْرِ، وَهِيَ عَشْرُ مُوسَى الَّتِي أَتَمَّهَا اللهُ لَهُ

Der Tag von ‛Arafah und der Tag des Opferns

بسم الله الرحمن الرحيم

وَالْفَجْرِ (1) وَلَيَالٍ عَشْرٍ (2) وَالشَّفْعِ وَالْوَتْرِ (3)

„Bei der Morgendämmerung, • und bei den zehn Nächten, • und bei dem Geraden und dem Ungeraden“ [Sūratu l-Fajr 89: 1-3]

In der 3. Āyah von Sūratu l-Fajr schwört Allah bei asch-Schaf‛u und al-Watru. Sprachlich ist asch-Schaf‛u die gerade und al-Watru die ungerade Zahl.

Auch hier wurde von den Salaf ein Bezug zu den ersten zehn Tagen von Dhu l-Hijjah überliefert. So wird unter anderem erwähnt, dass es sich um zwei Tage davon handelt, nämlich den Tag von ‛Arafah (= al-Watru) und den Tag des Opferns (= asch-Schaf‛u).

Dies wird z.B. von Ibnu ‛Abbās رضي الله عنهما überliefert [Ibnu Abī Hātim, at-Tabarī]:

قَالَ ابْنُ عَبَّاسٍ: الشَّفْعُ: يَوْمُ النَّحْرِ، وَالْوَتْرُ: يَوْمُ عَرَفَةَ

Der Tag des Opferns wird dabei (in den Überlieferungen) Yaumu n-Nahr oder Yaumu dh-Dhabh (يوم الذبح) genannt, womit das Schächten eines Opfertieres gemeint ist.

Ein weiteres Beispiel von ‛Ikrimah [bei at-Tabarī]:

عَنْ عِكْرِمَةَ، {وَالشَّفْعِ وَالْوَتْرِ} [الفجر: 3] قَالَ: الشَّفْعُ: يَوْمُ النَّحْرِ، وَالْوَتْرُ: يَوْمُ عَرَفَةَ وَحَدَّثَنَا بِهِ مَرَّةً أُخْرَى، فَقَالَ: الشَّفْعُ: أَيَّامُ النَّحْرِ وَسَائِرُ الْحَدِيثِ مِثْلُهُ

Darin wird am Ende zusätzlich erwähnt: „ … und er berichtete uns dies ein weiteres Mal, wobei er sagte: ‚asch-Schaf‛u: Die Tage des Opferns‘, und der restliche Hadīth war gleich“, er sprach also einmal vom „Tag“ und ein anderes Mal von „Tagen“.

Hinweise zu den Hadīth-Wissenschaften

1: Es kann also vorkommen, dass ein Überlieferer etwas in einem Wortlaut berichtet und ein zweites Mal in einem leicht veränderten Wortlaut. Das ist zum einen menschlich und zum anderen kann es sein, dass er in der Bedeutung überliefert und nicht im exakten Wortlaut. Im letzteren Fall ist es zudem denkbar, dass er beim zweiten Mal die Bedeutung weiter konkretisieren will … والله أعلم

2: Hier nannte er diese Überlieferung „Hadīth“, wobei weder hier, noch im umgebenden Text irgendeine Überlieferung vom Propheten ﷺ erwähnt wird. Das Wort „Hadīth“ steht an dieser Stelle also offensichtlich für eine überlieferte Aussage eines frühen Gelehrten und wird hier nicht spezifisch für eine Aussage des Propheten ﷺ verwendet … والله أعلم

3: Dieses Beispiel zeigt auch die Genauigkeit der Überlieferer der islamischen Texte, da sie solche Details nicht unerwähnt ließen und sehr bemüht waren, jede Feinheit, jeden Unterschied und jede Eventualität zu übermitteln!

4: Die Anführung der Überlieferungen aus den frühen Tafsīr-Werken heißt natürlich nicht, dass jede einzelne Überlieferungskette als richtig, authentisch und makellos zu beurteilen ist! Wenn eine Bedeutung aber von vielen unterschiedlichen Personen überliefert wird, hat das einen Einfluss auf die Wertigkeit der Überlieferung.

Um welche Tage es sich beim Tag von ‛Arafah und dem Tag des Opferns handelt

In folgender Überlieferung [bei at-Tabarī] wird auch erwähnt, dass ‛Arafah der neunte Tag des Monats Dhu l-Hijjah ist und der Tag des Opferns der zehnte:

قَالَ عِكْرِمَةُ: عَرَفَةُ وَتْرٌ، وَالنَّحْرُ شَفْعٌ، عَرَفَةُ يَوْمُ التَّاسِعِ، وَالنَّحْرُ يَوْمُ الْعَاشِرِ

Darüber hinaus ist folgende Aussage von ad-Dahhāk [bei at-Tabarī] interessant:

عَنِ الضَّحَّاكِ، {وَلَيَالٍ عَشْرٍ وَالشَّفْعِ وَالْوَتْرِ} [الفجر: 2-3] قَالَ: أَقْسَمَ اللهُ بِهِنَّ لِمَا يَعْلَمُ مِنْ فَضْلِهِنَّ عَلَى سَائِرِ الْأَيَّامِ، وَخَيْر هَذَيْنِ الْيَوْمَيْنِ لِمَا يَعْلَمُ مِنْ فَضْلِهِمَا عَلَى سَائِرِ هَذِهِ اللَّيَالِي. {وَالشَّفْعِ وَالْوَتْرِ} [الفجر: 3] قَالَ: {الشَّفْعُ} : يَوْمُ النَّحْرِ، {وَالْوَتْرُ} : يَوْمُ عَرَفَةَ

Hierin sagt er nämlich bei der Auslegung der Verse 2 und 3 von Sūratu l-Fajr, dass Allah bei diesen Tagen schwört wegen des Vorzugs, den diese Tage gegenüber allen anderen Tagen genießen. Und er erwähnt, dass Allah danach noch explizit bei diesen „beiden Tagen“ schwört, weil sie noch besser sind, als „die restlichen dieser Nächte“.

Es werden zu den beiden Wörtern in dieser 3. Āyah, also asch-Schaf‛u und al-Watru, jedoch mehrere verschiedene Aussagen von den frühen Tafsīr-Gelehrten überliefert.

Deshalb wurde die Meinung geäußert, die Bedeutung wäre ganz allgemein alles Gerade und Ungerade und die unterschiedlichen Aussagen der Salaf wären als Beispiele für die beiden allgemeinen Begriffe zu sehen (siehe dazu Tafsīr at-Tabarī) – also das, was auch als Ikhtilāfu Tanawwu‛ bezeichnet wird.

Hinweis: Man bemerkt bei allen hier erwähnten Überlieferungen, dass immer von „Tagen“ die Rede ist und nicht von Nächten.

Der Monat Dhu l-Hijjah im islamischen Jahr – Die Wichtigkeit des Dhikr und des Du‛ā’ in diesen Tagen

Wir schreiben (beim ersten Erscheinen dieses Beitrages) das Jahr 1441 nach der Hijrah und befinden uns jetzt in der zweiten Hälfte der zehn Tage von Dhu l-Hijjah.

Der Monat Dhu l-Hijjah ist übrigens der zwölfte Monat des islamischen Jahres. Davor kommt im islamischen Kalender Dhu l-Qa‛dah – also der elfte Monat – und danach kommt al-Muharram – also der erste Monat des neuen Jahres.

Das bedeutet, dass dieses Jahr der islamischen Zeitrechnung in wenigen Wochen enden wird und dann in sha Allah das neue Jahr 1442 n. H. beginnen wird.

Wir haben schon viel erfahren über die Vorzüglichkeit dieser zehn Tage in Dhu l-Hijjah und darüber, dass die guten Taten in dieser Zeit bei Allah سبحانه وتعالى unvergleichlich mehr zählen.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Erinnerung an Allah und an seine Gnaden, also der Dhikr (ذِكْرُ اللهِ), zu den bedeutendsten Taten gehört und ebenso das Bittgebet, also der Du‛ā’ (الدُعاء).

Mit „Taten“ sind somit nicht nur die Taten der Hände gemeint, sondern auch und vor allem die Taten des Herzens und die Taten der Zunge, also die Rede.

Hadīth: Nützliches zum Hadīth bei al-Bukhārī über die zehn Tage

حَدَّثَنَا مُحَمَّدُ بْنُ عَرْعَرَةَ، قَالَ: حَدَّثَنَا شُعْبَةُ، عَنْ سُلَيْمَانَ، عَنْ مُسْلِمٍ البَطِينِ، عَنْ سَعِيدِ بْنِ جُبَيْرٍ، عَنْ ابْنِ عَبَّاسٍ، عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَنَّهُ قَالَ: «مَا العَمَلُ فِي أَيَّامٍ أَفْضَلَ مِنْهَا فِي هَذِهِ» قَالُوا: وَلاَ الجِهَادُ؟ قَالَ: «وَلاَ الجِهَادُ، إِلَّا رَجُلٌ خَرَجَ يُخَاطِرُ بِنَفْسِهِ وَمَالِهِ، فَلَمْ يَرْجِعْ بِشَيْءٍ»

Dieser Hadīth über die Vorzüglichkeit der Taten in den zehn Tagen von Dhu l-Hijjah wurde in der Khutbah „Die besten Tage des Jahres – Die zehn Tage von Dhu l-Hijjah“ bereits besprochen.

Der Hadīth wird überliefert bei al-Bukhārī und auch in diesem Hadīth ist die Rede von Tagen und nicht von Nächten.

In der Überlieferungskette (Sanad bzw. Isnād) bei al-Bukhārī befinden sich sechs Personen zwischen al-Bukhārī und dem Propheten ﷺ [siehe arabischer Text oben] – der Hadīth gehört somit zu den sogenannten Sudāsiyyāt im Sahīh-Werk von al-Bukhārī.

Der zweite Überlieferer – also der nach dem Sahābī – ist der bekannte Tābi‛ī Sa‛īd ibnu Jubair. Als Tābi‛ī ist er somit jemand, der den Propheten ﷺ in seinem Leben nicht getroffen hat, jedoch einen bzw. mehrere Gefährten des Propheten (أصحاب رسول الله ﷺ).

Es wird überliefert, dass Sa‛īd ibnu Jubair im Jahr 46 n.H. geboren wurde [daneben wird auch überliefert, dass er noch früher geboren wurde] und im Jahr 95 n.H. starb رحمه الله تعالى.

Ibnu Jubair überlieferte diesen Hadīth vom Sahābī Ibnu ‛Abbās رضي الله عنهما.

Hadīth: Ein schönes Beispiel für die guten Eigenschaften der Überlieferer

Bei ad-Dārimī [Sunanu d-Dārimī, wird auch manchmal Musnadu d-Dārimī genannt] wird der oben erwähnte Hadīth [des Sahīhu l-Bukhārī] auch von einer etwas anderen Kette überliefert. Darin überliefert al-Qāsim ibnu Abī Ayyūb von Sa‛īd ibnu Jubair von Ibnu ‛Abbās vom Propheten ﷺ:

بَابٌ فِي فَضْلِ الْعَمَلِ فِي الْعَشْرِ

أَخْبَرَنَا يَزِيدُ بْنُ هَارُونَ، أَنْبَأَنَا أَصْبَغُ، عَنْ الْقَاسِمِ بْنِ أَبِي أَيُّوبَ، عَنْ سَعِيدٍ، عَنْ ابْنِ عَبَّاسٍ، عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: «مَا مِنْ عَمَلٍ أَزْكَى عِنْدَ اللهِ عَزَّ وَجَلَّ وَلَا أَعْظَمَ أَجْرًا مِنْ خَيْرٍ يَعْمَلُهُ فِي عَشْرِ الْأَضْحَى». قِيلَ: وَلَا الْجِهَادُ فِي سَبِيلِ اللهِ قَالَ: «وَلَا الْجِهَادُ فِي سَبِيلِ اللهِ عَزَّ وَجَلَّ إِلَّا رَجُلٌ خَرَجَ بِنَفْسِهِ وَمَالِهِ فَلَمْ يَرْجِعْ مِنْ ذَلِكَ بِشَيْءٍ»

„Kapitel über die Vorzüglichkeit der Taten innerhalb der zehn:

… vom Propheten ﷺ, dass er sagte: ‚Es gibt keine Tat, die reiner wäre bei Allah und von größerer Belohnung, als etwas Gutes, dass (der Diener) in den zehn des Adhā tut …‘“

Im Anschluss wird bei dieser Überlieferung jedoch noch etwas Interessantes (von al-Qāsim ibnu Abī Ayyūb) erwähnt, und zwar:

قَالَ: وَكَانَ سَعِيدُ بْنُ جُبَيْرٍ إِذَا دَخَلَ أَيَّامُ الْعَشْرِ اجْتَهَدَ اجْتِهَادًا شَدِيدًا حَتَّى مَا يَكَادُ يَقْدِرُ عَلَيْهِ

„Sa‛īd ibnu Jubair pflegte, wenn die Tage der zehn eintraten, sich bis zum Äußersten anzustrengen, soweit, dass er selbst kaum dazu fähig war.“

Hinweis: Je nach dem, ob man hier „yaqdiru“ oder „yuqdaru“ liest, ändert sich die Bedeutung. Bei „yuqdaru“ würde es etwa heißen: „ … soweit, dass man kaum fähig wäre, es ihm gleichzutun.“

Ibnu Jubair strengte sich also so an, dass er selbst bis zum Äußersten ging bzw. soweit, dass ein anderer kaum dasselbe Maß an Taten und Eifer (Ijtihād) erreichen könnte.

Subhanallah und ma sha Allah! In dieser überlieferten Angelegenheit ist also ein sehr schönes Beispiel für die guten Eigenschaften der Überlieferer der Sunnah zu sehen.

Solche Dinge sind nützlich, um zu zeigen, dass die Überlieferer, z.B. die Überlieferer der Hadīthe des Sahīhu l-Bukhārī, nicht irgendwelche unbekannten und vernachlässigbaren Personen waren.

Solche und viele ähnliche überlieferte Begebenheiten zeigen deutlich, dass es sich um bekannte Persönlichkeiten handelte, die tagein tagaus mit ‛Ibādah und ‛Ilm verbrachten und teilweise Leistungen erbrachten, die einen sprachlos machen.

Gepriesen sei Allah, der Seinen Dīn durch eine große Anzahl solcher Personen zu uns getragen hat – was einen an die Aussage erinnert, die vom Propheten ﷺ überliefert wurde [siehe z.B. al-Bida‛u wa-n-Nahyu ‛anhā von Ibnu Waddāh, Musnadu l-Bazzār u.a.]:

يَحْمِلُ هَذَا الْعِلْمَ مِنْ كُلِّ خَلَفٍ عُدُولُه …

„Es tragen dieses Wissen von jeder nachfolgenden Generation die Rechtschaffenen …“

Fa-l-Hamdu li-llāhi Rabbi-l-‛Ālamīn.

Wichtiger Hinweis: An diesem Beispiel sieht man auch, dass die Ahādīth, die al-Bukharī überliefert, keineswegs von ihm als erstes irgendwo „gefunden“ wurden.

Manche unwissende und teils auch übelgesinnte Personen haben nämlich eine solch absurde Vorstellung über die Hadīth-Überlieferung und kommen deshalb mit entsprechend absurden und merkwürdigen Scheinargumenten, um al-Bukhārī und sein Werk zu diffamieren.

Tafsīr/Hadīth: Yaumu ‛Arafah – Der gewaltige Tag

… عَنْ عُمَرَ بْنِ الخَطَّابِ، أَنَّ رَجُلًا، مِنَ اليَهُودِ قَالَ لَهُ: يَا أَمِيرَ المُؤْمِنِينَ، آيَةٌ فِي كِتَابِكُمْ تَقْرَءُونَهَا، لَوْ عَلَيْنَا مَعْشَرَ اليَهُودِ نَزَلَتْ، لاَتَّخَذْنَا ذَلِكَ اليَوْمَ عِيدًا. قَالَ: أَيُّ آيَةٍ؟ قَالَ: {اليَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ وَأَتْمَمْتُ عَلَيْكُمْ نِعْمَتِي وَرَضِيتُ لَكُمُ الإِسْلاَمَ دِينًا} [المائدة: 3] قَالَ عُمَرُ: «قَدْ عَرَفْنَا ذَلِكَ اليَوْمَ، وَالمَكَانَ الَّذِي نَزَلَتْ فِيهِ عَلَى النَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، وَهُوَ قَائِمٌ بِعَرَفَةَ يَوْمَ جُمُعَةٍ»

In diesem Hadīth bei al-Bukhārī wird erwähnt, dass Allah am Tag von ‛Arafah diese Religion vervollständigt hat. Der Hadīth wird deshalb beim Tafsīr der entsprechenden Āyah von Sūratu l-Mā’idah (5: 3) erwähnt. Dazu wurde in der oben verlinkten Khutbah über Dhu l-Hijjah bereits einiges erwähnt.

Wie in der Khutbah erklärt, zeigt dieser Hadīth, dass der Tag von ‛Arafah ein gewaltiger Tag mit großen Vorzügen ist. Auch dazu wurden weiter oben schon einige andere Überlieferungen erwähnt.

Mit der Beschreibung im Hadīth, dass der Prophet ﷺ zu jenem Zeitpunkt bei ‛Arafah stand, ist gemeint, dass er beim Berg ‛Arafah stand, welcher in der Umgebung von Mekka liegt.

Ein Beweis für das Steigen und Sinken des Īmān

Interessant ist, dass al-Bukhārī den Hadīth im Buch über den Īmān erwähnt, und zwar in folgendem Kapitel:

بَابُ زِيَادَةِ الإِيمَانِ وَنُقْصَانِهِ

„Kapitel über das Steigen und Sinken des Īmān“

In der Überschrift des Kapitels, der sogenannten Tarjamah, weist er danach auf die oben erwähnte Āyah (5: 3) hin und sagt:

وَقَالَ: «اليَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ» فَإِذَا تَرَكَ شَيْئًا مِنَ الكَمَالِ فَهُوَ نَاقِصٌ

„ … und Er sagte: ‚Heute habe ich euch eure Religion [Dīn] vervollständigt‘, wenn jemand also etwas von dem Vollständigen lässt, dann ist es vermindert.“

Die frühen Gelehrten (as-Salaf), wie hier z.B. al-Bukhārī, argumentierten also – neben vielen anderen Beweisen – mit diesem Vers des Qur’ān und auch mit dem erwähnten Hadīth für die Tatsache, dass der Īmān steigt und sinkt – entsprechend dem Konsens der frühen Gelehrten der Muslime.

والله أعلم … und Allah weiß es am besten.