Erstmalig veröffentlicht 05/2021 im Telegram-Kanal “Tauhīd & Sunnah” (Link)

Frage: Kann bzw. soll man das ‛Īd-Gebet ersatzweise alleine bzw. zuhause beten?

Die Gelehrten رحمهم الله hatten unterschiedliche Ansichten darüber, ob das ‛Īd-Gebet verpflichtend ist. Mālik und asch-Schāfi‛ī meinten, dass es dringend empfohlen wäre und bei Ahmad ist es eine kollektive Verpflichtung und daneben wird auch eine weitere Meinung überliefert.

 

So überliefert Ghulāmu l-Khallāl (285 – 363 n.H.) im Buch Zādu l-Musāfir im Kapitel über die beiden Feste und deren Gebete den Standpunkt von Ahmad:

Es sagte Abū Abdillāh gemäß der Überlieferung von al-Marrūdhī: „Sie sollen hinausgehen zum ‛Īd. Und wenn einige von ihnen gehen, dann reicht es aus (zur Pflichterfüllung).“

 

Die Gelehrten der Salaf unterschieden sich darüber hinaus in der Frage, ab welcher Anzahl von Personen das ‛Īd-Gebet und das Jum‛ah-Gebet zustande kommen. Eine andere Frage ist jedoch, ob das ‛Īd-Gebet ersatzweise auch alleine bzw. im kleinen Rahmen gebetet werden kann.

Diese Situation kann sich ergeben, wenn man z.B. auf Reisen ist oder das Haus nicht verlassen kann. Ebenso wird der Fall erwähnt, dass jemand das Gebet versäumt hat. Eine weitere Frage ist, ob in diesem Fall auch eine Khutbah gemacht wird oder nicht.

 

Ismā‛īl ibnu Yahyā al-Muzanī (175 – 264 n.H.) überliefert von asch-Schāfi‛ī im Mukhtasar zu al-Umm:

وَيُصَلِّي ‌الْعِيدَيْنِ ‌الْمُنْفَرِدُ فِي بَيْتِهِ وَالْمُسَافِرُ وَالْعَبْدُ وَالْمَرْأَةُ.

„Es betet die beiden ‛Īd-Gebete derjenige, der alleine ist, in seinem Haus, der Reisende, der Diener und die Frau.“

 

Es wird hierzu z.B. Folgendes überliefert, das darauf hindeutet, dass man in solchen Fällen das ‛Īd-Gebet beten kann, jedoch keine Khutbah macht.

Al-Bukhārī erwähnt im Sahīh folgende Kapitelüberschrift:

بَابٌ: إِذَا فَاتَهُ العِيدُ يُصَلِّي رَكْعَتَيْنِ، وَكَذَلِكَ النِّسَاءُ، وَمَنْ كَانَ فِي البُيُوتِ وَالقُرَى

„Kapitel: Wenn er das ‛Īd verpasst, dann betet er zwei Rak‛ah, und ebenso die Frauen und jene, die in den Häusern sind und in den Dörfern.“

 

Danach erwähnt er in derselben Überschrift, dass Anas ibnu Mālik رضي الله عنه Abdullāh ibnu Abī ‛Utbah auftrug, seine Familie und Kinder zu sammeln und zu beten, wie die Leute in der Stadt und mit demselben Takbīr:

وَأَمَرَ أَنَسُ بْنُ مَالِكٍ مَوْلَاهُمْ ابْنَ أَبِي عُتْبَةَ بِالزَّاوِيَةِ فَجَمَعَ أَهْلَهُ وَبَنِيهِ، وَصَلَّى كَصَلَاةِ أَهْلِ المِصْرِ وَتَكْبِيرِهِمْ

 

Ibnu Abī Schaibah überliefert diese Begebenheit, auf die al-Bukhārī hier verweist, und sie wird auch noch an anderer Stelle überliefert. Dieser Text wird in den Schulen von asch-Schāfi‛ī, Mālik und Ahmad als Beweis herangezogen.

Bei Ibnu Abī Schaibah werden auch noch andere Dinge überliefert, die sich davon leicht unterscheiden, darunter auch der Hinweis, dass ohne Khutbah gebetet wurde. Abgesehen davon gibt es aber auch die Meinung, dass man bei kleiner Gemeinschaft eine Khutbah machen kann.

 

Wallāhu a‛lam … und Allah weiß es am besten.