Die gute Behandlung von Kriegsgefangenen im Islam

Allahu ta‛ālā sagt im Qur’ān in Sūratu l-Insān (76: 8):

وَيُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِ مِسْكِينًا وَيَتِيمًا وَأَسِيرًا

Diese Āyah wird teilweise so übersetzt:

„Und sie geben die Speise, aus Liebe zu Ihm, dem Armen und der Waise und dem Gefangenen“

Also: „aus Liebe zu Allah“.

Und sie wird auch folgendermaßen übersetzt:

„Und sie speisen die Speise, trotz Liebe ihr gegenüber, den Armen, den Waisen und den Gefangengehaltenen“

Diese letztere Bedeutung ist auch jene, die von den frühen Gelehrten (as-Salaf) überliefert wird. So erwähnt dies z.B. at-Tabarī [gest. 310 n.H.] in seiner Erklärung und überliefert es auch von den frühen Tafsīr-Gelehrten (Gelehrten der Koranexegese):

وَقَوْلُهُ: {وَيُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِ مِسْكِينًا} [الإنسان: 8] يَقُولُ تَعَالَى ذِكْرُهُ: كَانَ هَؤُلَاءِ الْأَبْرَارُ يُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِمْ إِيَّاهُ، وَشَهْوَتِهِمْ لَهُ.

… عَنْ مُجَاهِدٍ، فِي قَوْلِهِ: {وَيُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِ} قَالَ: وَهُمْ يَشْتَهُونَهُ

… سَأَلْتُ سُلَيْمَانَ بْنَ قَيْسٍ أَبَا مُقَاتِلِ بْنِ سُلَيْمَانَ عَنْ قَوْلِهِ: {وَيُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِ مِسْكِينًا} قَالَ: عَلَى حُبِّهِمْ لِلطَّعَامِ

Im Qur’ān steht also geschrieben – und es ist genau das, was die frühen Muslime umgesetzt hatten! -, dass der rechtschaffene Muslim dem Kriegsgefangenen zu essen gibt! Darüber hinaus geben sie ihnen das zu essen, was sie selbst lieben und begehren!

Das, während die „guten Christenmenschen“ in Europa ihre Gefangenen nicht selten verbrannten, vierteilten, zersägten oder ähnliches, während sie sich dabei teilweise noch amüsierten (wie sie selbst auf Bildern veranschaulichten, was sicher nicht von Ungefähr kommt).

So viel zum angeblich so ungerechten und barbarischen Islam …

Manche Jahalah (Unwissende) unter den Muslimen wollen das dann noch möglichst wegdiskutieren – sie meinen, es handle sich dabei NUR um muslimische Gefangene – weil es ihnen nicht gefällt, dass man im Islam nicht-muslimische Kriegsgefangene gut behandeln sollte.

Das ist zum einen nicht nur krankhaft, sondern es widerspricht auch der Bedeutung der Āyah, die von den Salaf beim Tafsīr (Koranexegese) dafür überliefert wird.

So erklärt at-Tabarī [gest. 310 n.H.] die Bedeutung der Āyah wie folgt:

{وَأَسِيرًا} [الإنسان: 8] وَهُوَ الْحَرْبِيُّ مِنْ أَهْلِ دَارِ الْحَرْبِ يُؤْخَذُ قَهْرًا بِالْغَلَبَةِ، أَوْ مِنْ أَهْلِ الْقِبْلَةِ يُؤْخَذُ فَيُحْبَسُ بِحَقٍّ؛ فَأَثْنَى اللهُ عَلَى هَؤُلَاءِ الْأَبْرَارِ بِإِطْعَامِهِمْ هَؤُلَاءِ تَقَرُّبًا بِذَلِكَ إِلَى اللهِ وَطَلَبَ رِضَاهُ، وَرَحْمَةً مِنْهُمْ لَهُمْ

Hier erklärt at-Tabarī ausdrücklich, dass es sich um nicht-muslimische Kriegsgefangene und um muslimische [zu Recht] Gefangene handelt, wobei er die Kriegsgefangenen zuerst erwähnt.

Außerdem erklärt er, dass jene guten Muslime das aus Barmherzigkeit und Mitleid mit diesen Gefangenen tun!

Dann überliefert at-Tabarī dies von den Salaf:

… عَنْ قَتَادَةَ، قَوْلُهُ: {وَيُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِ مِسْكِينًا وَيَتِيمًا وَأَسِيرًا} قَالَ: لَقَدْ أَمَرَ اللهُ بِالْأُسَرَاءِ أَنْ يُحْسَنَ إِلَيْهِمْ، وَإِنَّ أَسْرَاهُمْ يَوْمَئِذٍ لأَهْلُ الشِّرْكِ

… عَنْ قَتَادَةَ، {وَأَسِيرًا} قَالَ: كَانَ أَسْرَاهُمْ يَوْمَئِذٍ الْمُشْرِكُ، وَأَخُوكَ الْمُسْلِمُ أَحَقُّ أَنْ تُطْعِمَهُ

… عَنِ الْحَسَنِ، {وَيَتِيمًا وَأَسِيرًا} قَالَ: مَا كَانَ أَسْرَاهُمْ إِلَّا الْمُشْرِكِينَ

In diesen Überlieferungen erwähnen die darin genannten Gelehrten der Salaf unter anderem, dass die Gefangenen zu jener Zeit ausschließlich Muschrikūn waren und dass der Muslim demzufolge noch eher Anrecht auf die erwähnte gute Behandlung hat.

Aussagen von den Salaf, wo im Speziellen der muslimische Gefangene erwähnt wird, widersprechen den genannten Überlieferungen nicht, da die allgemeine Aussage beide Arten von Gefangenen umfasst, wie auch at-Tabarī erklärt. Beide Auslegungen sind also Beispiele für den allgemeinen Begriff und widersprechen sich nicht (Ikhtilāfu t-Tanawwu‛).

… wallāhu a‛lam … und Allah weiß es am besten.

 

Erstmalig veröffentlicht 08/2020 im Telegram-Kanal “islam-info” (Link)

Am Ende noch ein Verweis auf ein interessantes Buch in diesem Bezug: Link zum Buch